HALLO,

alles ist vorbereitet am 9. April 1241: In vier Verbände gegliedert, hat Batu seine Krieger über die Karpaten nach Ungarn geschleust. Hat Zehntausende Reiter nahe dem Ort Mohi zusammengezogen, gut 200 Kilometer nordöstlich der Königsresidenz Stuhlweißenburg. Samt ihren Pferden verstecken sich die Mongolen in den dichten Wäldern entlang des Flusses Sajó. Doch Batu, ein Enkel Dschingis Khans, zögert, den Befehl zum Angriff zu geben. Er fürchtet sich. Weiß, dass seine Gegner hervorragende Waffen führen, vermutet gar, sie könnten seinen Männern überlegen sein, zumindest zahlenmäßig. Nie zuvor ist ein mongolisches Heer so weit in Europa vorgedrungen wie jenes, dem Batu vorsteht. An diesem Morgen aber verlässt er seine Männer. Völlig allein erklimmt er einen nahen Hügel. Einen Tag und eine ganze Nacht betet er zu Tengri, der höchsten Gottheit der Mongolen, erbittet seinen Beistand: gegen den ungarischen König Béla IV. mit seinem Zehntausende Mann starken Heer, gegen dessen Ritter mit ihren schweren Kettenhemden und ihren großen Pferden. In der Nacht zum 11. April befiehlt Batu endlich loszustürmen. Manche seiner zögerlichen Männer muss er mit gezücktem Schwert in die Schlacht zwingen. Und tatsächlich: Als die Mongolen auf die gepanzerten Ritter zustürmen, weichen diese nicht etwa zurück, sondern gehen auf Batus Reiter los. Bald reißen die Angreifer ihre wendigen, kleinen Pferde herum, brechen den Vorstoß ab. Ihre Götter scheinen sie nicht erhört zu haben. Doch was den Ungarn in diesem Moment wie ein leicht errungener Sieg scheint, ist lediglich ein flüchtiger Triumph – und zugleich Auftakt eines der wohl rätselhaftesten Kapitel in der Geschichte der mongolischen Eroberungszüge.*

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Am ersten Tag des Jahres 1600 nahmen die Leiden der Katharina Herbst ein Ende. Die 23 Jahre alte Grazer Magd lag gefesselt auf dem Erdboden. Brennende Kerzen umgaben sie, Kruzifixe und Gefäße mit Weihwasser. Ihr Schicksal leitete nun ein Buch. Aus dem Lateinischen übersetzt lautete sein Titel: »Teufelsgeißel«. Seit Monaten hatten Exorzisten versucht, die Dämonen auszutreiben, die ihrer Ansicht nach von Katharina Herbst Besitz ergriffen hatten. Sie hatten Psalmen und Litaneien gebetet, der jungen Frau Öl und geweihtes Salz eingeflößt, sie in mit Heilkräutern versetztem Wasser gebadet. Sogar die knöcherne Hand eines Toten wurde ihr aufgelegt, wie die kirchlichen Protokolle vermerken. Nur: Die bösen Geister weigerten sich offenbar hartnäckig, aus dem Körper der vermeintlich Besessenen zu weichen. Herbst knurrte, schrie und verhöhnte die Priester weiterhin, sie spuckte nach ihnen und schlug um sich.*

 

* oben der Anfang einer Rekonstruktion des mongolischen Europafeldzugs, erschienen im April 2026 in Geo Epoche, unten der eines Texts über die Geschichte des Exorzismus in Spiegel Geschichte (Oktober 2025).